Gudrun Bierski
Wie ein Zaungast lebte Gudrun Bierski – „zu viel allein und einwärts“, schrieb die Mutter um 1950. Die junge Vertriebene aus Mährisch-Ostrau nahm den existenziellen Absturz und die Demütigungen, wie sie Flüchtlinge im Nachkriegsdeutschland erdulden mussten, still in sich auf. Künstlerin wollte sie werden, besuchte 1947 bis1951 die Kunstakademie in Karlsruhe, scheiterte dann aber, untergraben von Schuld und Zweifeln. Als sie etwa fünfzigjährig auf eigene Faust gestaltet und ästhetische Regeln setzt, fingiert sie mit ihrem Schaffen ein Leben, das ihr in der Realität nicht gelungen ist: Heimat (als vollgestopfte Höhle) und die Imagination von Mann und Kind gehören dazu.
Sie war nie psychiatrisiert, der Familienverband mit fünf Schwestern trug und ertrug ihre Eigenart. Eine Betreuerin kam als Normalisierungshilfe. Gudrun Bierski arbeitete unbeirrt weiter, musizierte und kleidete sich – so, wie sie es wollte.